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Das Gegenteil von Hasen

Das Gegenteil von Hasen

Über das Gegenteil von Hasen habe ich, wie so oft in letzter Zeit, über Instagram erfahren. Eigentlich wäre die Thematik nicht direkt mein Beuteschema gewesen, allerdings haben so viele davon geschwärmt, dass ich es mir dann doch genauer anschauen wollte. Das Thema: Mobbing in der Schule. Klingt erst simpel, ist es aber in der Geschichte überhaupt nicht. Denn es geht um viel mehr.

Ich bin ein Hase unter Wölfen, der rennt und Haken schlägt.
Der den Leittier blind folgt, um nicht selbst totgebissen zu werden.

Das Gegenteil von Hasen, S. 154.

Worum geht es?

Julia Nolde ist siebzehn und geht an ein städtisches Gymnasium. Seit ihre Eltern sich getrennt haben, wohnen sie am anderen Ende der Stadt und sie muss jeden Tag mit dem Bus fahren. Dort lernt sie Edgar kennen, der ebenfalls auf ihre Schule geht. Als sie eines Tages ihren Jutebeutel im Bus vergisst, nimmt Edgar ihn mit. Doch als er ihn ihr zurückgibt, fehlt der Laptop, der darin war. Julia ist panisch: denn der Laptop ist nicht mit einem Passwort geschützt und ihr privates Blog-Tagebuch, wo sie all ihre Gedanken über ihre Freunde, ihren Freund und auch ihr Sexleben offenlegt, ist als WordPress-Seite geöffnet. Mit gespeichertem Passwort.

Es kommt, wie es kommen muss: Der Dieb des Laptops sperrt Julias Mailadresse, sodass sie sich nicht mehr in ihren Blog einloggen kann. Und dann werden nach und nach Julias intimste Gedanken und Gefühle veröffentlicht, womit die Jagd nach dem Hasen beginnt. Im Fokus steht natürlich Julia, die Häme, Spott und am Ende sogar physische Gewalt ertragen muss.

Rezension

Die Geschichte wird aus vielen verschiedenen Perspektiven erzählt. Natürlich kommt Julia zu Wort, aber auch ihr Freund, ihre angeblichen Freunde und Edgar, der in den Artikeln nicht gut wegkommt. Neben den Artikeln geht es aber auch insgesamt viel um die Probleme von Jugendlichen: das Verhältnis zu den Eltern, den Freunden oder Freundinnen und sich selbst. Auch intime Szenen zwischen den Teenagern kommen nicht zu kurz – worauf ich teilweise wirklich hätte verzichten können, auch wenn es zum Teenagerleben dazu gehört.

Natürlich fiebert man mit, wer wohl der Täter ist – ich wusste es bis zuletzt nicht. Aber auch die Beziehungen der Protagonisten untereinander sind spannend zu verfolgen. Ebenfalls gut gefallen hat mir die Vielseitigkeit der Charaktere, sowohl in Bezug auf Ethnizität als auch auf sexuelle Orientierung. Die Auflösung und insgesamt das Ende dagegen fand ich dann leider nicht zufriedenstellend, für mich blieben da zu viele Fragen offen.

Eher anstrengend fand ich allerdings den Schreibstil. Der wirkte auf mich gezwungen literarisch mit vielen kurzen Sätzen, die den Lesefluss teilweise auch gehemmt haben. So wirkten die Protagonisten trotz ihrer vielen Sorgen und Probleme manchmal trotzdem unnahbar. Schade!

Das Gegenteil von Hasen

[Die Beiträge sind] auf eine verstörende Art ehrlich […]. Es sind Dinge, die man sonst nur denkt. Sie hat alles genau so aufgeschrieben, wie es ihr gekommen ist. Vollkommen unzensiert.

Das Gegenteil von Hasen, S. 205.

Mein Fazit

Insgesamt konnte mich Das Gegenteil von Hasen leider nur zum Teil überzeugen. Die Thematik ist wichtig und spannend erzählt und auch die Diversität im Roman hat mir gut gefallen, allerdings waren mir am Ende zu viele Fragen offen und der Schreibstil manchmal etwas zu sehr „gewollt“.

Daher bewerte ich „Das Gegenteil von Hasen“ mit

Eckdaten auf einen Blick

Titel: Das Gegenteil von Hasen
Autor: Anne Freytag
Hier in Deutschland erschienen: Mai 2020
Genre: Allage / Jugendbuch
Empfohlen: ab 14 Jahren
ISBN: 3453272803
Seitenzahl der Printausgabe: 416 Seiten
Preis: 17€ als gebundene Ausgabe (z.B. bei Amazon*)

*sponsored post ~ Dieser Post ist in Kooperation mit dem Heyne Verlag entstanden. Das Buch wurde mir kostenlos für die Rezension zur Verfügung gestellt. Die Fotos sind selbst gemacht und ich gebe meine eigene Meinung wieder. Mehr dazu findet ihr in meinem Kooperationsstatement.

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