
Mit Vespertine entführt Margaret Rogerson in eine düstere High-Fantasy-Welt voller Geister, Untoter und gefährlicher Magie. Nachdem ich sowohl Rabenprinz als auch Der dunkelste aller Zauber von ihr sehr mochte, was ich gespannt auf ihr neues Werk. Wie mir die Geschichte von Artemisia gefallen hat, erzähle ich euch in diesem Beitrag.
“Ich werde nicht zurückgehen. Kannst du dir vorstellen, wie es ist, Hunderte von Jahren in einer Reliquie gefangen zu sein? Eher werde ich jede elende Nonne an diesem Ort umbringen, als mich wieder hineinstecken zu lassen!”
Vespertine, S. 73.
Worum geht es?
Artemisias einziges Ziel im Leben ist es, eine Graue Schwester zu werden. Diese Nonnen sorgen dafür, dass die Seelen der Verstorbenen ins Jenseits übergehen können. Als ihr Konvent von einer Armee besessener Soldaten angegriffen wird, erweckt Artemisia aus Versehen den uralten und bösartigen Geist eines Wiedergängers, was sie fast umbringt. Zugleich hat der Tod in Loraille Einzug gehalten und nur eine Vespertine hat eine Chance, ihn aufzuhalten. Das Wissen über die Vespertinen ist jedoch über die Jahrhunderte verloren gegangen. Und so bleibt Artemisia nichts anderes übrig, als sich an den letzten verbliebenen Experten zu wenden: den Wiedergänger selbst. Während Artemisia ein düsteres Rätsel aus Heiligen, Geheimnissen und dunkler Magie lüftet, entdeckt sie, dass sie im Kampf gegen das verborgene Böse vielleicht alles verraten muss, woran sie je geglaubt hat – wenn der Wiedergänger sie nicht zuerst verrät… (Klappentext)
Rezension
Die Geschichte wird aus der Perspektive von Artemisia erzählt, einer Waise mit einer tragischen Vergangenheit, die in einem Kloster aufgewachsen ist und dort zu einer Grauen Schwester ausgebildet wurde – einer von denen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Geister der Toten zu verteiben. Sie ist pragmatisch, entschlossen und mit einer tief sitzenden Angst vor anderen Menschen. Ihre soziale Unsicherheit und ihr Kindheitstrauma werden sehr authentisch dargestellt, sodass sie trotz ihrer Distanz authentisch bleibt. Besonders spannend ist ihre Entwicklung im Zusammenspiel mit dem Wiedergänger, den sie (versehentlich) bindet. Als Geist der höchsten Ordnung, der mehrere Jahrhunderte in einer Reliquie gefangen war, ist dieser Wiedergänger sarkastisch, mürrisch und stellenweise bösartig – ein klassischer Antagonist, der zum widerwilligen Verbündeten wird. Die Dynamik zwischen den beiden fand ich genial: Während er sie immer wieder mit spitzen Kommentaren reizt und zugleich widerwillig seine Hilfe anbietet, wächst zwischen ihnen ein Band aus gegenseitigem Respekt und gezwungener Zusammenarbeit.
Die Welt von Vespertine ist genau das, was man sich von einer düsteren High-Fantasy-Geschichte wünscht: Geister, Untote, makabre Rituale und eine ständig unterschwellig bedrohliche Atmosphäre. Die Idee, dass bestimmte Menschen mit dem „Allblick“ Geister wahrnehmen können, fand ich super spannend, ebenso wie das Konzept der Nonnen, die sich mit Reliquien gegen die dunklen Mächte schützen. Nachdem Artemisias Kloster von Untoten angegriffen wird, muss sie versuchen, mithilfe des Wiedergängers den Verursacher zu finden. Das ist spannend, zugleich aber auch immer wieder makaber und witzig. Denn im Endeffekt ist Artemisia eben doch nur ein Mensch, was der Wiedergänger meist so gar nicht verstehen kann. Besonders gefallen haben mir die makabren, aber oft auch witzigen Szenen zwischen Artemisia und dem Wiedergänger – eine perfekte Mischung aus Spannung und Humor.
So atmosphärisch und spannend die Geschichte auch war, gab es für mich zwei Punkte, die etwas mehr Tiefe hätten vertragen können. Zum einen die Herkunft der Geister – hier hätte ich mir mehr Hintergrundwissen gewünscht, um die übernatürlichen Elemente noch besser greifen zu können. Zum anderen ging mir das Ende zu leicht vonstatten. Nach so viel düsterer Spannung hätte ich mir ein epischeres Finale mit mehr Details gewünscht.

Die stumme Glocke erwacht und kündigt das Kommen der Toten an, und die letzte Kerze wird angezündet gegen die hereinbrechende Nacht…
Vespertine, S. 218.
Mein Fazit
Insgesamt ist Vespertine ein großartiger Standalone für alle Fans von düsterer Fantasy, Geistergeschichten und bissigem Humor. Die starke Protagonistin, der einzigartige Wiedergänger und das atmosphärische Worldbuilding machen die Geschichte zu einem echten Pageturner. Trotz kleinerer Kritikpunkte gibt es von mir definitiv eine Leseempfehlung für alle, die zum Beispiel “Emily Seymour” oder “Wednesday” mochten.
Daher bewerte ich “Vespertine” mit

Eckdaten auf einen Blick
Titel: Vespertine
Autor*in: Margaret Rogerson
Hier in Deutschland erschienen: November 2024
Genre: High Fantasy
Empfohlen: ab 14 Jahren
ISBN: 978-3-570-16717-5
Seitenzahl der Printausgabe: 480 Seiten
Preis: 18€ als broschierte Ausgabe (z.B. bei Thalia*)
*sponsored post ~ Dieser Post ist in Kooperation mit dem CBJ Verlag entstanden. Das Buch wurde mir kostenlos für die Rezension zur Verfügung gestellt. Die Fotos sind selbst gemacht und ich gebe meine eigene Meinung wieder. Mehr dazu findet ihr in meinem Kooperationsstatement.






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