Belletristik & Historisches Rezensionen

Die Strandvilla

Obwohl sich mein „Beuteschema“ bei Büchern mittlerweile stark auf Fantasy und New Adult eingependelt hat, lese ich auch hin und wieder gern historische Romane, vor allem aus dem frühen 20. Jahrhundert. Genau in dieses Beuteschema passt der Roman Die Strandvilla – und da die Geschichte auch noch auf Sylt spielt, war ich noch gespannter auf das Buch. Ob und wie gut es mir gefallen hat, in das Westerland um 1915 einzutauchen, erzähle ich euch in diesem Beitrag.

„Rüm Hart, klaar Kiming.“
„Großes Herz, weiter Horizont“, gab Emma seine friesischen Worte leise wieder.

Die Strandvilla, S. 136.

Worum geht es?

Moiken lebt mit ihrer Tochter Emma in Keitum, einen kleinen Dorf auf Sylt. Das Leben dort ist nicht einfach und das Geld ist knapp, vor allem, da sie auf Mann und Vater warten, der als Seemann nur seltem daheim ist und wieder Lohn mitbringen soll. Kurz nach Neujahr kommt dann jedoch die niederschmetternde Nachricht, dass Peter auf See über Bord gegangen ist. Moiken ist nun also mit Mitte dreissig Witwe und muss sehen, wie sie sich und ihre Tochter versorgen soll – vor allem, da ihre Schwiegermutter sie aus der kleinen Kate wirft.

Die beiden beschließen, nach Hamburg aufzubrechen, um dort ein neues Leben zu beginnen – doch es kommt anders. Der Hotelier Theodor von Lengenfeldt wird auf Moiken aufmerksam und bittet sie, für ihn zu arbeiten, und so ziehen Moiken und Emma von der kleinen Kate in das beste Hotel der Insel, die mondäne Strandvilla in Westerland. Dort muss sich Moiken jedoch auf mehrere Weisen ihrer Vergangenheit stellen, zum einen den schlimmen Gerüchten, die sie vor Emmas Geburt zur Flucht zwangen und zum Anderen ihrer Jugendliebe Boy Lassen, die unerwartet wieder in ihr Leben tritt. Und als dann auch noch Theodor ihr Avancen macht, muss Moiken sich entscheiden, was ihr wichtiger ist: Sicherheit oder Liebe.

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht verschiedener Charaktere erzählt, den Löwenanteil nehmen Moiken, Emma und Theodor ein. Eindrücklich wird das damalige Leben auf Sylt geschildert, das neben den neuen technischen Errungenschaften auch mit dem nahen Ersten Weltkrieg zurecht kommen muss. Während ich Moiken meist sehr sympathisch fand, war mir ihre Tochter Emma mit ihrem Freiheitsdrang teilweise deutlich zu anstrengend – die Pubertät lässt grüßen. Bei dem vorherrschenden Frauenbild möchte man aus heutiger Perspektive definitiv den Kopf schütteln, dafür ist es aber detailliert recherchiert und historisch gesehen realistisch gehalten. Spannend finde ich übrigens, dass das Cover perfekt zur Geschichte passt: zu sehen ist die Protagonistin Moiken, die von weitem auf ihre alte Kate schaut.

Der schwarze Thron

Wenn ihre Mutter sehen könnte, wessen Frau sie geworden war, wäre sie wohl stolz auf ihre Tochter, die es angeblich zu keinem vernünftigen Mann bringen würde.

Die Strandvilla, S. 340.

Mein Fazit

Die Geschichte entwickelt sich über mehrere Jahre und es sind immer wieder Sprünge von mehreren Monaten enthalten. Die Charaktere entwickeln sich mit der Zeit und gehen mehr und mehr eigene Wege. Auch die historische Kulisse hat mir gut gefallen. Leider waren mir einige Abschnitte trotz der Zeitsprünge zu langatmig, sodass teilweise nicht so richtig Spannung aufkommen wollte. Auch das Ende war für mich nicht ganz zufriedenstellend. Allerdings klingt im Nachwort an, dass ein Folgeband geplant ist. Sollte das der Fall sein, will ich definitiv wissen, was Moiken und Emma noch alles erwarten wird.

Daher bewerte ich „Die Strandvilla“ mit

Eckdaten auf einen Blick

Titel: Die Strandvilla
Autor: Sina Beerwald
Hier in Deutschland erschienen: März 2020
Genre: Historischer Roman
Empfohlen: keine Angabe
ISBN: 3426524120
Seitenzahl der Printausgabe: 464 Seiten
Preis: 9,99€ als Taschenbuch (z.B. bei Amazon*)

*sponsored post ~ Dieser Post ist in Kooperation mit dem Droemer Knaur Verlag entstanden. Das Buch wurde mir kostenlos für die Rezension zur Verfügung gestellt. Die Fotos sind selbst gemacht und ich gebe meine eigene Meinung wieder. Mehr dazu findet ihr in meinem Kooperationsstatement.

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