Belletristik & Historisches Rezensionen

Power

Mit Power habe ich einen Roman gelesen, der sich außerhalb meiner normalen Lesegewohnheiten bewegt. Der Roman von Verena Güntner war für den Preis der Leipziger Buchmesse 2020 nominiert und da mich auch das Cover sehr angesprochen hat und der Klappentext interessant klang, wollte ich dem Ganzen gern eine Chance geben. Wie mir die Geschichte um Power, Kerze und das kleine Dorf im Nirgendwo gefallen hat, erzähle ich euch heute.

Sieben Wochen lang hat Kerze Power gesucht. […]
Weil sie Kerze ist.
Ein Licht in dieser rabenschwarzen Welt.

Power, S. 12.

Worum geht es?

Der Roman beginnt damit, dass die Hitschke (eine ältere, verwitwete Frau) der 11-jährigen Kerze mitteilt, dass ihr Hund, Power, verschwunden ist. Die Hitschke bittet Kerze, ihn zu suchen – und Kerze nimmt den Auftrag an. Die befragt Passanten, macht sich Notizen und geht immer wieder in den Wald, um nach Power zu suchen. Nach und nach schließen sich ihr alle Kinder des Dorfes an und die Gruppe zieht sogar in den Wald, um die Gewohnheiten eines Hundes, der weggelaufen ist, besser nachvollziehen zu können. Die Erwachsenen stehen dem Ganzen hilflos gegenüber, reden nur, aber handeln nicht. Und währenddessen geht die Suche nach Power immer weiter.

Während die eigentliche Geschichte schnell erzählt ist, sind es für mich die Zwischentöne, die den Roman besonders machen. Die ganze Welt eines kleinen, abgeschiedenen Dorfes und einer Gesellschaft, die sich weder mit der Natur, noch mit sich selbst beschäftigt, wird aufgegriffen: Depressionen sind Geister in der Nacht und bei Tag, Nationalsozialismus, häusliche Gewalt, Alkoholismus… und dazwischen die Kinder, die sich zusammenrotten, um auf die Suche nach Power zu gehen – und vielleicht auch den stumpfen Erwachsenen zu entfliehen?

„Was ist das eigentlich, ein Nazi?“, fragt Flori plötzlich.
Kerze überlegt kurz.
„Keine Ahnung. Einer, der Angst hat, dass man ihm was wegnimmt?“

Power, S. 39.
Der schwarze Thron

„Du kannst nicht mitmachen.
Du bist zu groß.
Den Großen ist nicht zu trauen.“

Power, S. 233.

Mein Fazit

Power hat mich durch eine schlichte, aber ausdrucksstarke Sprache überzeugt. Vor allem die Gesellschaftskritik fand ich faszinierend. Die gesamte Situation wirkt geradezu kafkaesk, als wäre Kerze der Rattenfänger und die Kinder die Ratten, die von Kerze in den Wald gelockt werden, wo sie dann Alleinherrscherin über die Suche nach Power ist. Auch die Thematik des Verschwindens fand ich gelungen, sie zieht sich wie ein roter Faden durch den Text. Insgesamt lässt der Roman jedoch viel Raum für eigene Deutungsansätze, hier hätte es auch gern etwas deutlicher sein können. Leider waren mir zudem einige Passagen zu sehr auf Ekel und Brutalität ausgerichtet, was man meiner Meinung nach auch hätte weglassen oder anders lösen können.

Daher bewerte ich „Power“ mit

Eckdaten auf einen Blick

Titel: Power
Autor: Verena Güntner
Hier in Deutschland erschienen: März 2020
Genre: Belletristik
Empfohlen: keine Angabe
ISBN: 3832183698
Seitenzahl der Printausgabe: 254 Seiten
Preis: 22€ als gebundene Ausgabe (z.B. bei Amazon*)

*sponsored post ~ Dieser Post ist in Kooperation mit dem Dumont Verlag entstanden. Das Buch wurde mir kostenlos für die Rezension zur Verfügung gestellt. Die Fotos sind selbst gemacht und ich gebe meine eigene Meinung wieder. Mehr dazu findet ihr in meinem Kooperationsstatement.

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