Fantasy & Dystopie Rezensionen

Gezeiten-Dilogie #1: Curious Tides

Der Roman “Curious Tides” ist der erste Band der Gezeiten-Dilogie und hat mich vor allem durch das spannende Cover angesprochen. Aber auch die Kombination aus Dark Academia und der Magie auf Basis von Mondphasen fand ich spannend, dementsprechend habe ich mich sehr auf die Lektüre gefreut. Wie mir der Auftaktband der Geschichte von Emory und Baz gefallen hat, erzähle ich euch in diesem Beitrag.

Deine Schuld, schienen die Sterne zu sagen.
Emory wagte es nicht, ihnen zu widersprechen.

Curious Tides, S. 16.

Worum geht es?

Emory war bisher höchstens eine mittelmäßige Heilerin, und dass sie einen Platz am renommierten Aldryn College für Mondmagie ergattert hat, verdankt sie allein ihrer besten Freundin Romie. Romie war immer die mächtigere Magierin, die Klügere, die Hübschere, der niemand widerstehen konnte. Doch nun ist Romie tot. Ertrunken in einer Meereshöhle, bei einer dummen Mutprobe, zusammen mit acht anderen Erstsemestern. Nur Emory hat überlebt, und seither hat sich ihre Magie in etwas Mächtiges, Dunkles verwandelt. Niemand darf je davon erfahren. Doch die Blicke des undurchschaubaren Keiran treffen Emory mitten ins Herz: Ahnt er etwas? (Klappentext)

Rezension

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Perspektive von Emory und Baz erzählt. Emory mochte ich als Protagonistin sehr, weil sie in ihren Zweifeln und ihrer Sorge vor Mittelmäßigkeit so nachvollziehbar gestaltet war. Auch ihr Drang, das Verschwinden bzw. den Tod ihrer Freundin Romie aufzuklären, sowie ihr Tatendrang und ihre Entschlossenheit waren sehr verständlich. Baz dagegen – übrigens Romies Bruder – war dagegen eher der ruhigere, fast schon passive Part, obwohl auch das aus seiner Vergangenheit heraus verständlich war. Dennoch hat er mich manchmal mit diesem passiven, vorsichtigen Verhalten etwas genervt. Glücklicherweise legt sich das aber auch im Laufe des Romans. Gerade im Verlauf der Geschichte passt dann aber auch gerade diese Gegensätzlichkeit der beiden ziemlich gut, um die Handlung voranzutreiben.

Neben den beiden spielt vor allem Keiran eine Rolle, den ich von Beginn an irgendwie nicht greifen konnte und eher zwielichtig fand. Dieses Misstrauen zog sich durch die ganze Geschichte, wobei ich gar nicht richtig festmachen konnte, woran das lag. (ob es berechtigt war, verrate ich hier aus Spoilergründen nicht). Zusätzlich gibt es natürlich noch jede Menge mehr Studierende am Aldryn College für Mondmagie. Vor allem zu Beginn wird man mit Charakteren praktisch bombardiert, die aber alle eher blass bleiben. Ich konnte bis zuletzt die Namen kaum auseinanderhalten. Erst im letzten Viertel bekommt man von einigen ein etwas deutlicheres Bild.

Die Handlung setzt einige Wochen nach dem Unglück von Dovermere ein, bei dem acht Studierende gestorben sind. Dabei dreht sich die Geschichte vor allem darum, warum ausgerechnet Emory überlebt hat und wie sie nun mit ihrer neuen Magie, die sie geheimhalten muss, umgehen soll. Ebenfalls eine Rolle spielt Emorys Wunsch, den Tod ihrer besten Freundin aufzuklären. Es gibt auch einige Romance-Szenen, diese spielen aber eher untergeordnet eine Rolle. Dafür nimmt das Dark Academia Setting erfreulich viel Platz ein, vor allem die Atmosphäre am Aldryn College und natürlich in der Höhle von Dovermere ist irgendwie immer etwas düster und schaurig. Mag ich! Hier hätte ich mir allerdings auch noch mehr College-Vibes gewünscht, wirkliche Unterrichtsinhalte bekommt man nämlich leider nicht zu lesen. So hätte man vielleicht auch noch ein paar mehr Informationen zu den verschiedenen Mondmagien einbauen können – die fehlen mir nämlich ebenso. Trotzdem hatte ich viel Freude daran, Emorys und Baz’ Weg mitzuverfolgen. Es gibt einige Plottwists, mit denen ich auf keinen Fall gerechnet habe, vor allem die letzten 100 Seiten waren ein echter Pageturner.

Sprachlich ist es grundsätzlich leicht, sich in die Geschichte hineinzufinden. Natürlich gibt es viele Begriffe, die man erstmal “lernen” muss, vor allem das College selbst mit den vielen Wohnheimen und Häusern war erst verwirrend. Hier hat mir die Karte vorn im Buch sehr weitergeholfen – tolle Idee! Was mich jedoch gestört hat, ist die konstante Übersetzung mit dem generischen Maskulinum “Studenten”, wenn im gleichen Absatz erzählt wird, dass Männer und Frauen in der Gruppe sind. Ich hätte mir hier einen Begriff wie “Studierende” gewünscht, um die Diversität der Gruppe mit abzubilden. Gerade bei aktuellen Übersetzungen und Neuerscheinungen habe ich diesbezüglich schon deutlich rücksichtsvollere Varianten gelesen.

Curious Tides

Die Zahnräder des Schicksals begannen, sich zu drehen.
Die Sache war entschieden.

Curious Tides, S. 481.

Mein Fazit

Insgesamt fand ich das Setting und das Magiesystem der Gezeitendilogie wirklich toll, auch die Protagonist*innen Baz und Emory mochte ich gern, vor allem, weil sie so gegensätzlich sind. Insgesamt hätte ich mir allerdings mehr Input zu den Unterrichtsinhalten des Aldryn Colleges gewünscht (hier fehlte mir der Academia-Anteil). Zudem fand ich die ungegenderte Übersetzung der Studierenden für aktuelle Romane einfach nicht passend, hier hätte ich mir mehr Sensibilität gewünscht.

Daher bewerte ich “Curious Tides” mit

Eckdaten auf einen Blick

Titel: Curious Tides
Autor*in: Pascale Lacelle
Hier in Deutschland erschienen: März 2024
Genre: High Fantasy
Empfohlen: ab 14 Jahren
ISBN: 978-3-7373-4375-6
Seitenzahl der Printausgabe: 656 Seiten
Preis: 22,90€ als gebundene Ausgabe (z.B. bei Thalia*)

*sponsored post ~ Dieser Post ist in Kooperation mit dem Fischer Verlag entstanden. Das Buch wurde mir kostenlos für die Rezension zur Verfügung gestellt. Die Fotos sind selbst gemacht und ich gebe meine eigene Meinung wieder. Mehr dazu findet ihr in meinem Kooperationsstatement.

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