Belletristik & Historisches Rezensionen

Die Mitternachtsbibliothek

Die Mitternachtsbibliothek

Auf die Mitternachtsbibliothek bin ich gestoßen, als ich Anfang des Jahres die Verlagsvorschauen durchgeblättert habe. Das Konzept der Geschichte klang sehr faszinierend, sodass ich den Roman gern nutzen wollte, um das Projekt „über den Tellerrand hinauslesen“ anzugehen. Ob und wie mir Matts Konzept der Mitternachtsbibliothek gefallen hat, erzähle ich euch in diesem Beitrag.

Zwischen Leben und Tod liegt eine Bibliothek. […] Und diese Bibliothek besteht aus endlosen Regalen. Jedes Buch bietet dir die Chance, ein anderes Leben auszuprobieren, das du hättest leben können.

Die Mitternachtsbibliothek, S. 41.

Worum geht es?

Nora ist am Ende ihrer Kräfte: sie hat ihren Job verloren, keinen Kontakt mehr zu ihrer Familie und als dann noch ihr Kater stirbt, sieht sie keinen anderen Ausweg, als ihrem Leben ein Ende zu setzen. Doch anstatt zu sterben, findet sie sich in der Mitternachtsbibliothek wieder. Dort stehen Tausende von Büchern, die alle ein alternatives Leben von Nora beinhalten. Das Leben, das passiert wäre, wenn sie sich für die Karriere als Schwimmerin entschieden hätte, ihren Verlobten geheiratet hätte oder Polarforscherin geworden wäre.

Die freundliche Bibliothekarin Mrs. Elm hilft Nora, einige dieser Leben zu bereisen. Denn wenn Nora das perfekte Leben für sich findet, darf sie weiter darin leben, als wäre der Selbstmord nie geschehen. Doch je mehr Leben Nora besucht, umso mehr fragt sie sich, ob es überhaupt das „perfekte“ Leben geben kann…

Rezension

Die Geschichte wird aus Noras Perspektive erzählt. Der erste Teil der Geschichte behandelt ihren Weg bis zur „Stunde Null“, also ihrem Tod. In diesem Teil habe ich sehr mit der Protagonistin mitgelitten, da sie dort sehr nahbar und verständlich dargestellt wurde. Ab ihrem Weg durch die Mitternachtsbibliothek wird der Roman dann jedoch episodenhaft, da Nora viele verschiedene Leben ausprobiert. Einige waren spannend, andere eher weniger. Aus allen „Leben“ konnte die Protagonistin etwas mitnehmen, etwas lernen. Für mich als Leserin waren diese Episoden jedoch (bis auf die Letzte) deutlich zu kurz, das fand ich extrem schade. Dahingegen war der Abschnitt bis zur „Stunde Null“ unverhältnismäßig lang. Da hätte ich mir insgesamt eine andere Gewichtung gewünscht.

Die Handlung selbst erklärt sich von selbst und ist zwar nicht ganz unerwartet, aber trotzdem interessant zur verfolgen. Die unterschiedlichen Lebensentwürfe wirken wie kurze Blitzlichter auf all die Möglichkeiten, die ein einzelner Mensch hat. Trotzdem ist die Protagonistin am Ende nicht überfordert, sondern lernt etwas aus all diesen alternativen Leben – nämlich, dass es kein „perfektes“ Leben geben kann. Diese Nachricht fand ich extrem großartig. Insgesamt gibt es immer wieder Szenen und Abschnitte, die ich gern markiert hätte, einfach deshalb, weil sie so viel über das Leben aussagen. Auf philosophischer Ebene war das Buch definitiv ganz großes Kino!

Sprachlich konnte mich Matt Haig nur bedingt abholen. Dadurch, dass einige Abschnitte so oberflächlich sind, fehlt mir die Empathie für die Geschichte an diesen Stellen. Sobald Nora aber ihr Leben reflektiert, wird die Sprache detailreicher, da konnte Matt mich definitiv wieder abholen. Insgesamt bin ich hier nicht ganz zufrieden. Das Cover finde ich extrem schön und auch die Buchgestaltung von innen mit dem kleinen Bibliotheksausweis ist passend. Das Scherenschnitthaus soll vermutlich die Bibliothek darstellen und auch die kleine Katze passt wirklich gut dazu.

Die Mitternachtsbibliothek

Bibliothekarinnen verfügen über Wissen – sie führen einen zu den richtigen Büchern; zu den richtigen Welten; sie finden die besten Orte. Wie Suchmaschinen mit einer Seele.

Die Mitternachtsbibliothek, S. 100.

Mein Fazit

Insgesamt fand ich die Mitternachtsbibliothek auf philosophischer Ebene wirklich wunderbar, das Buch wird mir definitiv im Gedächtnis bleiben. Gestört hat mich allerdings die ungleiche Verteilung von kurzen und langen Abschnitten, wodurch irgendwie ein Ungleichgewicht entstand. Ich denke, ich hätte einfach gern mehr Details gehabt. Nichtsdestotrotz möchte ich das Buch allen, die oft mit ihrem Leben hadern und sich „Was wäre wenn“ fragen, ans Herz legen, da die Geschichte wirklich nahegeht.

Daher bewerte ich „Die Mitternachtsbibliothek“ mit

Eckdaten auf einen Blick

Titel: Die Mitternachtsbibliothek
Autor: Matt Haig
Hier in Deutschland erschienen: Februar 2021
Genre: Belletristik
ISBN: 3426282569
Seitenzahl der Printausgabe: 320 Seiten
Preis: 20€ als gebundene Ausgabe (z.B. bei Amazon*)

*sponsored post ~ Dieser Post ist in Kooperation mit dem Droemer Knaur Verlag entstanden. Das Buch wurde mir kostenlos für die Rezension zur Verfügung gestellt. Die Fotos sind selbst gemacht und ich gebe meine eigene Meinung wieder. Mehr dazu findet ihr in meinem Kooperationsstatement.

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