New Adult & Romantik Rezensionen

Aber vielleicht wird auch alles gut

Aber vielleicht wird auch alles gut

Die Autorin Lea Melcher kannte ich bisher nur als Illustratorin, ich liebe ihre Art, Kunst zu schaffen und mag sowohl die Farbprints als auch die Zeichnungen – schaut da, unabhängig von dem Buch, auf jeden Fall mal bei ihren Insta-Account vorbei. ❤ Nun erschien im Juli ihr erster Roman. Wie mir die Geschichte von Emilia und Jack gefallen hat, erzähle ich euch in diesem Beitrag.

[Es war nicht] das erste Mal, dass diese Angst mich lähmte.
Dass sie plötzlich über mich kam, ich mich einschloss vor der Welt da draußen und ihr am liebsten nie wieder entgegengetreten wäre.

Aber vielleicht wird auch alles gut, S. 69.

Worum geht es?

Emilia ist fast dreißig, lebt allein mit ihrem Kater in einer kleinen Wohnung und lebt mehr oder weniger gut vom Schreiben. Am Liebsten bleibt sie allein mit ihrem Kater und sich selbst, alltägliche Dinge wie Einkaufen oder soziale Kontakte zu halten, stellt sie vor unüberwindbare Hürden, denn Emilia leidet an einer Angststörung, die es ihr an manchen Tagen unmöglich macht, sich der Welt zu stellen. Als sie deshalb jedoch die Hochzeit ihrer Schwester ruiniert, da weder Trauzeugin noch Ringe auftauchen, bleibt ihr keine andere Wahl, als eine Therapie zu beginnen.

Doch kaum, dass sie im Wartezimmer des Therapeuten angekommen ist, stellt Emilia fest, dass ausgerechnet Jack vor ihr sitzt. Der Jack, der vor vier Jahren alles auf den Kopf gestellt hat und der Schuld ist, dass Emilia nun in genau dieser Situation steckt. Und dann wird sie auch noch mit ihm in eine Paartherapie gesteckt, weil es eine Verwechslung in den Akten gab. Emilia hat nun zwei Möglichkeiten: alles aufklären und sich wieder in ihrer Wohnung zu verkriechen – oder sich ihren Ängsten und ihrer Vergangenheit stellen…

Rezension

Die Geschichte wird ausschließlich aus Emilias Sicht erzählt, allerdings in zwei verschiedenen Zeitebenen: eine beschäftigt sich mit der Gegenwart, wo die Therapie stattfindet, und eine mit der Vergangenheit vier Jahre zuvor, wo Emilia und Jack sich kennengelernt haben. Emilia als Protagonistin ist definitiv besonders: durch ihre Angststörung fällt es ihr schwer, den Alltag zu bewältigen und irgendwie zurechtzukommen. Dann wieder gibt es aber auch Situationen, wo sie sich zusammenreißt und die Dinge tut, die sie tun muss. Dieser Wechsel schien mir manchmal etwas zu sprunghaft und zu wenig logisch zu sein. Natürlich bin ich aber keine Expertin für Angststörungen, es kann also gut sein, dass das Gehirn in bestimmten Situationen so oder eben nicht so reagiert. Doch selbst mit Angststörung konnte ich nicht nachvollziehen, warum die Protagonistin diese Paartherapie über sich ergehen lässt. Insgesamt scheint sie einen „blinden Fleck“ zu haben, sobald es um Jack, den Protagonisten, geht. Der war für mich übrigens leider die meiste Zeit so gar kein Sympathieträger, schade! Absolut großartig fand ich dagegen ihre Schwester Lara, die sich vor allem im Laufe des Romans noch weiterentwickelt.

Die Handlung kommt gefühlt erst gar nicht voran, dann gibt es wieder große Schritte. Es sind die leisen Töne, die hier den Vorrang haben, vor allem die Beziehung – oder Nicht-Beziehung – von Emilia und Jack. Dazu kommt immer noch der tägliche Struggle von Emilia mit ihrem Alltag und ihrem Umgang mit anderen Menschen. Dabei gelingt es der Autorin, zwischen witzigen und ernsten Szenen abzuwechseln. Obwohl es also durchaus ein ernstes Thema ist, fühlt sich die Geschichte trotzdem lockerleicht an, lediglich einige Szenen waren eher emotional berührend. Wirklich nah kommt man den beiden dadurch leider nicht, ich konnte eher mit der Beziehung zwischen Emilia und ihrer Schwester „mitfühlen“. Das Ende der Geschichte war mir zudem auf der einen Seite zu offen und auf der anderen Seite ziemlich „drüber“, damit katapultierte sich die Geschichte unnötig weit in Richtung Komödie. Schade!

Sprachlich konnte man den Roman leicht und flüssig lesen, wie schon erwähnt wechseln sich lustige und emotionale Szenen ab. Besonders schön finde ich, dass im Buch 46 Schwarz-Weiß-Illustrationen der Autorin eingebaut sind, die häufig auch zur jeweiligen Szene passen. Auch das Cover ist wirklich wunderschön, auch wenn es nicht zwingend zum Inhalt passt, vor allem die Vögel erschließen sich mir an der Stelle nicht.

Aber vielleicht wird auch alles gut

Die Panik kam, als ich schließlich im Bett laf, zusammengerollt, Oskars Pfote im Gesicht. Ich wusste in diesem Moment, dass das mit mir und Jack vorbei war, für immer zerstört von unseren eigenen heimtückischen Fehlern. Die Panik wuchs in mir an, von Sekunde zu Sekunde mehr – und dann brach sie aus mir heraus.

Aber vielleicht wird auch alles gut, S. 215.

Mein Fazit

Insgesamt hat mich die Geschichte von Emilia und Jack zwar durchaus unterhalten, zugleich habe ich mich aber oft über Emilias Verhalten geärgert. Da es ein Own-Voice-Roman ist, finde ich es schwierig, Emilias Angststörung wirklich zu beurteilen, teilweise schien es mir aber zu leicht, wie sie in Bezug auf Jack mit dieser Störung umgeht. Dazu kommt ein leider eher unsympathischer Protagonist und ein für mich übertriebendes Ende. Im Großen und Ganzen ist es trotzdem lockerleichte Unterhaltung gewesen – aber eben leider nicht mehr.

Daher bewerte ich „Aber vielleicht wird auch alles gut“ mit

Eckdaten auf einen Blick

Titel: Aber vielleicht wird auch alles gut
AutorIn: Lea Melcher
Hier in Deutschland erschienen: Juli 2021
Genre: Contemporary
ISBN: 978-3-492-06257-2
Seitenzahl der Printausgabe: 336 Seiten
Preis: 15€ als Taschenbuchausgabe (z.B. bei Piper*)

*sponsored post ~ Dieser Post ist in Kooperation mit dem Piper Verlag entstanden. Das Buch wurde mir kostenlos für die Rezension zur Verfügung gestellt. Die Fotos sind selbst gemacht und ich gebe meine eigene Meinung wieder. Mehr dazu findet ihr in meinem Kooperationsstatement.

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