Jugendbücher Rezensionen

Nur fast am Boden zerstört

Nur fast am Boden zerstört

Zugegeben: Vom Cover her hätte mich der queere Roman Nur fast am Boden zerstört wohl nciht angesprochen, da ich solche „plakativen“ Gestaltungen – vor allem in quietsch-gelb! – nicht wirklich mag. Der Klappentext klang aber trotzdem so interessant und spannend, dass ich der Geschichte gern eine Chance geben wollte. Ob mich die Geschichte von Sophie Gonzalez überzeugen konnte, erzähle ich euch in diesem Beitrag.

Er schaute mich an.
Doch, ich war mir sicher. […]
Achtung, das ist keine Übung.

Nur fast am Boden zerstört, S. 76.

Worum geht es?

Ollie di Fiore hat gerade den Sommer seines Lebens hinter sich: bei einem Urlaub am See hat er Will kennengelernt und die beiden sind sich näher gekommen. Einziges Problem: Sie leben an verschiedenen Enden der USA, eine Beziehung scheint unmöglich. Dann jedoch enden die Sommerferien und Ollie muss mit seiner Familie umziehen, um seiner krebskranken Tante beizustehen. Das bedeutet auch, dass er das letzte Jahr seiner Schulzeit an einer neuen Schule verbringen muss. Und dazu meldet sich Will plötzlich nicht mehr bei ihm, obwohl sie sich versprochen haben, in Kontakt zu bleiben.

Und plötzlich steht Ollies Leben Kopf: Denn Will geht ausgerechnet auf die High School, die er jetzt ebenfalls besucht. EInziges Problem: Will ist Basketball-Star und hat sein Outing noch nicht hinter sich, weder vor seinen Freunden, noch vor seinen Eltern. Dazu kommt noch, dass er sich Ollie gegenüber wie der letzte Trottel verhält. Und während Ollie versucht, über seine Sommerliebe hinwegzukommen, sucht er plötzlich doch wieder Kontakt…

Rezension

Die Geschichte wird aus Ollies Perspektive erzählt. Ollie ist genau die richtige Mischung aus Musik-Nerd, schüchternem Teenager und großartigem Protagonisten, der sein Leben in die Hand nimmt – oder es zumindest versucht. Will dagegen war mir zu Beginn ziemlich unsympathisch, auch wenn seine Beweggründe – die Angst vor einem Outing – natürlich nachvollziehbar waren. Über die Geschichte hinweg nähern sich die beiden allerdings nach und nach an und ab da wird auch Will deutlich sympathischer. Besonders großartig fand ich übrigens die Nebencharaktere und damit Ollies neue Clique, allen voran Lara, ein großartiger und vor allem starker Charakter! ❤

Die Handlung orientiert sich an dem letzten Highschool-Jahr von Ollie und Will, insbesondere natürlich an Festen und Feiern, aber auch an „langweiligen“ Schultagen. Dieser Mix macht das Lesen aber auch besonders sympathisch. Das Drama um Outing und Zu-sich-selbst-finden ist genau richtig dosiert und auch die Szenen zwischen Will und Ollie sind einfach zuckersüß. Einen Wehmutstropfen gibt die Nebengeschichte mit Ollies Tante dazu, was aber auch wunderbar hineinpasst und die Geschichte erst richtig „rund“ macht. Es ist wenig Unerwartetes darin, aber es macht Spaß, den Weg der beiden zu verfolgen. Ein wenig wie eine Netflix-RomCom, aber definitiv im positiven Sinne!

Sprachlich fand ich den Stil manchmal etwas anstrengend, vor allem wenn es um Jugendsprache und Chatkonversationen ging. Auf der anderen Seite gab es aber auch sehr viele witzige Dialoge, die mich begeistern konnten. Sobald man einmal „drin“ war, verflog die Zeit geradezu. Das Cover gefällt mir leider, wie schon erwähnt, so gar nicht. Da finde ich das Originalcover (zum Beispiel bei Goodreads) deutlich schöner, schade, dass es nicht übernommen wurde.

Nur fast am Boden zerstört

Ich hatte vorher noch nie „ich liebe dich“ gesagt, deshalb wusste ich nicht, wie es funktionierte.

Nur fast am Boden zerstört, S. 216.

Mein Fazit

Insgesamt hat mich die Geschichte von Ollie und Will sehr gut unterhalten. Ollie ist ein großartiger Charakter mit genau der richtigen Dosis an Nerdigkeit und Unsicherheit, während er trotzdem unfassbar sympathisch ist. Will ging mir zu Beginn ein wenig auf die Nerven, was sich im Verlauf des Romans aber schnell gelegt hat. Extrem großartig fand ich aber auch die Nebenfiguren, vor allem Lara war großartig. Eine tolle Geschichte über Liebe, Freundschaft und den Mut, zu sich selbst zu stehen.

Daher bewerte ich „Nur fast am Boden zerstört“ mit

Eckdaten auf einen Blick

Titel: Nur fast am Boden zerstört
AutorIn: Sophie Gonzalez
Hier in Deutschland erschienen:
Genre: Jugendbuch / LGBTQ+
Empfohlen: ab 14 Jahren
ISBN: 978-3-570-16608-6
Seitenzahl der Printausgabe: 336 Seiten
Preis: 15€ als broschierte Ausgabe (z.B. bei Thalia*)

*sponsored post ~ Dieser Post ist in Kooperation mit dem CBJ Verlag entstanden. Das Buch wurde mir kostenlos für die Rezension zur Verfügung gestellt. Die Fotos sind selbst gemacht und ich gebe meine eigene Meinung wieder. Mehr dazu findet ihr in meinem Kooperationsstatement.

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